Technik

Technik

Definition

 

Technik ist die Gesamtheit der anthropologisch (durch Menschen geschaffenen) und teleologisch (nutzenorientierten) entstehenden und entstandenen Gegenstände. 

Technische Systeme sind durch die Funktion gekennzeichnet, Stoffe, Energie oder Informationen zu wandeln, zu transportieren oder zu speichern. Man unterscheidet also Gewinnungstechnik, Produktionstechnik, Transporttechnik, Speichertechnik, Energietechnik und Informationstechnik. 

 

Der Erkenntnisgegenstand der Schadentechnik orientiert sich an den Mangel und Schaden stiftenden innerindustriellen Produktionstechniken. Industrielles Haftungsmanagement erfasst technische Abläufe und nimmt sie zum Erkenntnisgegenstand also dann, wenn sie nicht funktionieren. 

Dabei ist zunächst zu berücksichtigen, dass industrielle Nutzungsproduktion ohne die Produktion mangelhafter Erzeugnisse heute noch nicht denkbar ist. 

So entstehen in der Produktion im weitesten Sinne Konstruktionsfehler, Fabrikationsfehler, aber es werden auch im Beratungsfehler gemacht und in manchen Fällen werden Produkte im Feld nicht ausreichend beachtet (Produktbeobachtungsfehler).

Lieferungen aus Ländern ohne ausreichende technische Erfahrung, dazu gehören einige asiatische Zulieferländer, sind nicht selten mit einer größeren Anzahl von Mängeln behaftet als Lieferungen aus Ländern, die über ausreichende empirische Erfahrungen zu Nutzen und Schaden der Produkte verfügen. Hinzu kommt die Kombinatorik von Produktion und Produktverwendung. 

Zumeist hat man es dabei im Industrie-Haftungsrecht mit drei Stufen der Schadenverantwortung zu tun. Auf der ersten Stufe wird das Produkt fehlerhaft erzeugt. Auf der zweiten Stufe tritt dann hinzu die fehlerhafte Montage der Produkte und auf der dritten Stufe entstehen Schäden dadurch, dass sie vom Benutzer im Feld fehlerhaft angewendet werden. Es gilt das Verantwortungsdreieck:

 

Herstellungsfehler – Montagefehler – Anwendungsfehler.

 

 

Fehler in Zulieferung, Produktion und Anwendung

 

In der industriellen Produktion entstehen Schäden zunächst dadurch, dass die zugelieferten Produkte mangelhaft sind.

 

Zulieferung  So muss bei zugelieferten Rohstoffen und Halbzeugen aus Metall mit Legierungsfehlern, fehlerhaften Beruhigungen des Materials, mit Grobkorneinschlüssen, fehlerhaftem Gefüge, Strangpressfehlern, Stranggussfehlern oder mit Materialverwechslungen gerechnet werden.

Zu hohe Schwefelanteile machen den Stahl diamagnetisch. Fehlendes Aluminium führt zur Korrosionsanfälligkeit oder warm gewalztes Material ist verzundert und lässt sich schlecht schweißen.

Angaben in Werkprüfzeugnissen oder Abnahmeprüfzeugnissen sind fehlerhaft, die Herkunft des Stahls hat unerkannt gewechselt oder es sind erhöhte Anteile von Sekundäraluminium und damit eine fehlende Qualität an Primäraluminium enthalten.

 

Produktion  Umfassende Fehler mit industriehaftungsrechtlichen Folgen entstehen in der Produktion. Es wird nach einem veralteten Planindex oder einem fehlerhaften Zeichnungsindex gearbeitet, Material wird verwechselt, im Spritzguss werden durch überhöhte Anteile von Recyclaten, also von Angussteilen, fehlerhafte Viskositätszahlen erzeugt, durch fehlerhafte Mischungen von Naturkautschuk und Kunstkautschuk werden fehlerhafte Shore-Härten erzeugt, in der Konstruktion werden auf einem Folgeverbundwerkzeug Stanzstege vergessen, Leiterbahnabstände auf Platinen sind zu eng oder die Lebensmittelproduktion hat mit Schad- oder Störstoffen zu kämpfen.

In der Lebensmittelindustrie werden unerkannt gentechnisch veränderte Organismen verwendet, Holz hat eine zu hohe Restfeuchte, Schrauben werden mit einem fehlerhaften Gewinde, fehlerhafter Gewindesteigung oder außerhalb der Spezifikation liegenden Gewindeflanken hergestellt.

Subunternehmer übernehmen nicht nur im Falle von Belastungsspitzen und betriebswirtschaftlich begründeter Auslagerung der Warenproduktion Aufträge, sie sind auch als Lohnunternehmen tätig.

Fehlerhafte Kern- statt Randhärtung, fehlerhafte Anteile von Restaustenit, Schicht bildende statt nicht Schicht bildenden Passivierungen, gespiegelte Bohrungen, fehlende Sperrschichten in der Galvanik, galvanische Behandlungen statt chemischen Verfahren oder Verunreinigungen beim Lohnpacken kommen vor.

 

Kundenfehler  Nicht selten ist der Abnehmer selbst schuld an dem bei ihm eingetretenen Schaden. Er bestellt nach einem veralteten Planindex, missachtet Toleranzketten oder bestellt Material, das für eine scharfkantige Biegung nicht geeignet ist.

Er beauftragt ungeübte Vorproduzenten, achtet bei der Entgegennahme von Mustern nicht ausreichend auf die Feldanforderungen oder trägt ungenaue Spezifikationen vor.

Fertig produzierte Erzeugnisse werden im Feld deshalb fehlerhaft montiert, weil die Montageanleitung fehlerhaft ist. Verbindungen werden unzureichend festgezogen, redundante Systeme nicht installiert, Bewitterungen nicht ausreichend berücksichtigt oder es wird der Anwender nicht ausreichend über Gefahren in Umgang mit der montierten Einheit informiert.

 

Benutzerfehler  Zuletzt entstehen Schäden dadurch, dass der Benutzer des Endprodukts Fehler macht. Geräte, die nicht für einen Dauerbetrieb geeignet sind, werden im Dauerbetrieb eingesetzt, das Produkt wird für Einsätze verwendet, für die es nicht geeignet ist oder Sicherheitsvorschriften werden nicht beachtet.

 

Mängel und Schäden

 

Die Unterscheidung von Mängeln an den Betriebsprodukten und Schäden durch die Produkte ist Voraussetzung für die Beurteilung von Gewährleistungsansprüchen und Schadenersatzansprüchen.

Mängel an den Betriebsprodukten sind nicht Gegenstand der eigenen Betriebs-Haftpflichtversicherung. Sie können aber Gegenstand der Betriebs-Haftpflichtversicherung des Lieferanten sein. Schäden durch die Produkte sind Gegenstand der eigenen Betriebs- und Produkt-Haftpflichtversicherung.

 

Schadenverursachungsbereiche

 

Metall

 

Schäden können durch mangelhafte Metalle entstehen. Mangelhafte Metalle haben fehlerhafte Legierungsanteile, sind etwa mit Mangan oder Silizium fehlerhaft beruhigt, durch Schwefelanteile magnetisch, haben fehlerhafte Kohlenstoffgehalte der Folge ganz unterschiedlicher Mängel in der weiteren Verarbeitung, weisen fehlerhafte Gefüge beim Kaltfließpressen durch anspruchsvolle Werkzeuggeometrien auf oder haben störende Grobkorneinschlüsse.

Materialverwechslungen bedingen ein geändertes Bruch-Dehnungs-Verhalten, chinesisches Material hat fehlende oder fehlerhafte Aluminiumanteile, hohe Recyclinganteile führen zu unerkannten Spurenstoffen oder vermeintlich Riss geprüftes Material weist schlecht zu erkennende Kavernenrisse auf.

 

Kunststoff

 

Schäden können durch mangelhafte Kunststoffprodukte entstehen. Durch fehlerhafte Werkzeuginnentemperaturen, fehlenden Kavitationsausgleich, erhöhte Angussanteile, die fehlerhafte Art von Granulat oder flakes, Trocknungsprobleme oder fehlerhafte Temperaturen in der Schneckenförderung entstehen brüchige oder rissige Produkte.

Tiefgezogenes Material ist an den Rundungen gerissen, geschäumtes Material versprödet an der Oberfläche oder streuende Wandstärken führen zur Prozessunfähigkeit des Lieferguts.

 

Gummi

 

Schäden können durch mangelhafte Gummiapplikationen entstehen. Gummi-Dichtungsbälge auf einem Tastschalter können durch Walzenverunreinigungen beim Kalandrieren beschädigt sein, ziehen Wasser im Feld und führen zu Ausfällen einer Tür-Öffnungsanzeige in einem Kfz.

Fehlerhafte Härten machen Dichtungen unbrauchbar, fehlerhafte Mischungsverhältnisse, fehlende oder fehlerhafte Additive oder fehlerhafte Temperaturkurven bei der Produktion verhärten das Material durch Ausgasen von Inhaltsstoffen.

 

Stanz- und Biegeteile

 

Schäden können durch mangelhafte Stanz- und Biegeteile entstehen. Diese Schäden sind in der industriellen Praxis verbreitet und entstehen durch scharfkantig gebogenes Material, vergessene Stanzstege, Werkzeugverschleiß, zu hohe Abrisskanten, fehlerhafte Berechnungen des Rückfederungsmaßes, zu dünne Stempel, Fehler im Folgeverbundwerkzeug, Versulzungen der Schmiermittel, durch die Verwendung von Material, das sich für ein scharfkantiges Biegen nicht eignet, aber auch durch fehlerhaft gebondete Teile.

 

Kleber und Dichtungen

 

Schäden können durch mangelhafte Dichtungen entstehen. So kann eine Produktkonfiguration mit Kleber statt mit Dichtmasse abgedichtet werden. Der mehr fluidale als viskose Kleber bindet dann nicht ab. Der Kleber verläuft in den Dichtring oder eine Gewindenut. 

 

Die Adhäsionswerte sind davon abhängig, ob die Oberflächen glatt, rau oder porig sind.

Die Formschlüssigkeit des Klebers zwischen den Klebepartnern muss gewährleistet werden. Topfzeiten, Verarbeitungstemperaturen, Umgebungsklimata und Anwendungshinweise für die Verarbeitung des Klebers entscheiden über die Adhäsions- und Kohäsionswerte. 

Hier muss man prüfen, ob ein 1- oder 2-Komponenten-Kleber, ein physikalisch abbindender Klebstoff (organische oder anorganische Basis?) oder ein chemisch härtender Kleber verwendet werden soll. 

 

Das Ganze entscheidet dann über die für die Dichtigkeit unterschiedliche Anfangsfestigkeit und Endfestigkeit, den Wärmeausdehnungskoeffizient und damit über die Adhäsion zwischen den Klebepartnern.

Berücksichtigt werden müssen Wetterexposition, mechanische Anfälligkeiten, Windbewegungen, Züge und Drücke. 

Die Dichtigkeit von Baugruppen hat die anstehenden Wässer und deren Führung, also deren Migrationsverhalten zu berücksichtigen. 

Dabei ist zu prüfen, wo Kapillare wirken, ob Druckwasser entsteht, wo die Bewitterung ist und wo innerhalb einer Konfektion Wasser läuft.

 

Applikation

 

Schäden können durch Applikationsfehler entstehen. Diese Fehlerart entscheidet über das Mitverschulden des Anspruchstellers.

So ist die Planung zu enger Kabelquerschnitte, zu enger Biegeradien oder eine fehlerhafte oder fehlende Abdichtung ebenso Schaden stiftend wie die „Planung“ von Toleranzketten, die Verbindungen wackeln lassen oder eine zu enge Verbindung bewirken, die bei Einfluss von Kälte und Vibration brechen.

 

Oberflächen

 

Schäden können durch mangelhafte Oberflächen, insbesondere auf elektrisch leitenden Kontakten, entstehen. 

Hierzu zählen alle Galvanikfehler, wie Chemikalienverschleppungen, whisker-Effekte, fehlende Sperrschichten, zu dünne Schichtdicken oder nicht leitende spots auf der Oberfläche.

 

Gehäuse

 

Schäden können durch mangelhafte Gehäuse entstehen. Gehäuse können etwa aus Kunststoff, Metall, Holz oder Gummi sein. 

Kunststoffgehäusefehler bestehen darin, dass durch die Verarbeitung von Recyclaten fehlerhafte Viskositätszahlen entstehen und dadurch Kerb- und Schlagzähigkeit, Bruchdehnungsverhalten und Elastizität mangelhaft sind. Führungslaschen zur Verbindung mit der Baugruppe können brechen oder die Form- und Kraftschlüssigkeit beeinträchtigen.

Metallgehäusefehler bestehen darin, dass fehlerhafte Kohlenstoffgehalte oder überhöhte Schwefelwerte die Verformbarkeit auf einem Folgeverbundwerkzeug beeinträchtigen oder das Teil diamagnetisch machen. Erhöhte Schwefelanteile lassen Magnete kleben.

 

Gummigehäusefehler bestehen darin, dass fehlerhafte Anteile von Kunstkautschuk und Naturkautschuk verwendet wurden, durch fehlerhafte Vulkanisierung die Shore-Härte nicht stimmt oder der Gummi durch fehlerhafte Additive schmiert.

 

Schäden können durch eine mangelhafte Gehäusegeometrie entstehen. So ist bei der Herstellung einer female-Steckverbindung auf die Passgenauigkeit in der späteren Applikation zu achten. Wird die Gehäusegeometrie nur mit einer Prüflehre getestet, die die elektrischen Pins abtastet, nicht aber die Kunststoffgeometrie mit ihren Sperrlaschen, kann die Kabelkonfiguration dann nicht verwendet werden, wenn die male- und female-Stecker nicht zusammenpassen. 

 

Vercrimpung

 

Schäden können durch mangelhafte Vercrimpungen entstehen. So kann die fehlerhafte Vercrimpungsart gewählt werden, die Zangenform fehlerhaft sein oder das Kabel durchgedrückt werden.

Mit zu wenig Kraft oder zu großen Werkzeugen werden feindrähtige Leitungen unzureichend gepresst, es kommt zu Sauerstoffpermeationen und zur Korrosion; Übergangswiderstände erhöhen sich, Leitungen können aus der Hülse gezogen werden. Wird zu stark gepresst, verringern sich die Querschnitte, was die Stromtragfähigkeit reduziert. 

 

Elektronik

 

Schäden können durch mangelhafte Elektronik entstehen: Lötfehler, fehlerhaftes Durchkontaktieren auf Multilayer-Leiterplatten, fehlerhaftes Bonden, untauglicher Lötstopplack oder Fehlfunktionen in Widerständen, fehlerhaft gewickelte Kondensatoren mit der Folge fehlerhafter Speicherwerte, ausbauchende ICs oder Fehler im so genannten Hühnerfutter (bunte Kleinteile auf der Platte) sind zu berücksichtigen.

 

Konfektionierung

 

Schäden können durch mangelhafte Konfektionierung entstehen. Ein mit zwei Kabeln bestückter 7-Loch-Stecker wird fehlerhaft belegt, Materialien mit unterschiedlichen chemischen Ansprachen werden miteinander verbunden, Dehnfugen vergessen, zu hohe Anpressdrücke oder zu hohe Drehmomente eingesetzt oder es werden einfach Teile vergessen.

 

Seltene Erden

 

 

Seltene Erden sind eine Gruppe von 17 chemischen Elementen: die 15 Lanthanoide (Lanthan bis Lutetium) sowie Scandium und Yttrium. 

Sie kommen nicht selten vor, aber selten in abbauwürdiger Konzentration. Sie sind auch chemisch schwer voneinander zu trennen.

 

Sie werden in der Informationstechnologie benötigt für Permanentmagnete (Neodym, Praseodym, Dysprosium), für Elektromotoren, Windkraft oder Festplatten. In der Elektronik und Optik (Europium, Terbium) für Displays, LEDs, Laser. In Katalysatoren und Batterien (Cer, Lanthan).

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